12 Dorfversammlungen und 14 Windräder

Interview mit Wolfgang Boschan, Ortsvorsteher von Biebersdorf/Märkische Heide, anlässlich der Eröffnung des Windparks Biebersdorf, den WindSale im Juni 2012 mit einem Dorffest eröffnete:

Herr Boschan, Sie haben in Ihrer Festrede zur Eröffnung des Windparks Biebersdorf von einem „denkwürdigen Tag″ gesprochen. Was genau ist denkwürdig?

Denkwürdig ist, dass wir einen Windpark einweihen, der hier in der Region der erste Waldwindpark ist. Denkwürdig ist, dass wir die Thüga als Vertragspartner haben. Und denkwürdig ist auch die ganze Entwicklung bis zum Betrieb des Windparks. Der Weg war recht schwierig.

Gegner brachten Unfrieden

Was war so schwierig?

Es gibt auch in unserer Region Windkraft-Gegner, und die waren außerordentlich aktiv. Sie haben mit allen möglichen Argumenten versucht, zu verzögern oder zu verhindern. Der Höhepunkt war, dass sie auch hier im Dorf Unterschriftensammlungen versucht haben, aber keinen Erfolg hatten, und damit auch Unfrieden ins Dorf getragen haben.

Wie konnten Sie den ‚Unfrieden’ überwinden?

Wir haben in mehr als zehn Veranstaltungen – zwölf waren es mit Sicherheit – die Einwohner zu Versammlungen eingeladen, haben dort alle Planungsschritte erläutert, haben ihnen auch die Argumente der Windkraft-Gegner nicht verschwiegen. Und wir haben dabei die Überzeugung gewonnen, dass wir richtig liegen, weil die Mehrheit der Bürger immer dafür war. Ich habe sogar in zwei Versammlungen abstimmen lassen. Alle Anwesenden haben dafür gestimmt – bis auf einen – das ist aber, denke ich, legitim.

Finanzielle Unterstützung

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Projektentwickler, also dem Investor?

Mit dem Investor war die Zusammenarbeit sehr gut. Wir hatten uns von Anfang an vorgenommen, nicht gegen den Investor zu arbeiten, sondern mit ihm. Unser Hauptziel war, durch diese gute Zusammenarbeit annehmbare Bedingungen für uns zu schaffen. Es ging insbesondere um die Abstände der Windkraftanlagen zum Ort. Die sind eingehalten worden.
Das hatte auch finanziell positive Seiten für uns. Frau Petrick [Geschäftsführerin von WindSale], hat unseren Ort unterstützt, insbesondere den Kindergarten. Dafür sind wir auch sehr dankbar. Das war eine Zusammenarbeit, die gegenseitig fruchtbar war.

Steuern für die Gemeindekasse

War es von Vorteil, dass der Projektentwickler, vor Ort verankert ist?

Ja, WindSale sind in unserer Märkischen Heide ansässig, haben hier ihr Büro, sind Ansprechpartner für die Bürger, und setzen sich auch auf persönlicher Ebene ein. Ich denke, mit dem Investor haben wir einen guten Partner.

Welche weiteren Vorteile hat die Gemeinde durch den Windpark?

Dadurch, dass das Unternehmen hier ansässig ist, fließen ja auch Steuern in die Gemeindekasse. Wir haben außerdem den Vorteil, dass der Investor Baumaßnahmen durchführt.
Und wir haben die vielen ökologischen Maßnahmen: Es werden immerhin 630.000 Euro investiert für ökologische Ausgleichsmaßnahmen. Die wirken zwar nicht von heute auf morgen, aber langfristig.
Da sind sehr wichtige Punkte dabei: Wir haben hier einen sehr guten Bestand an Fledermäusen – dieses Habitat wird mit Nistkästen unterstützt. Dazu kommen viele Vogelnistkästen. Außerdem sind die Äsungsverhältnisse für den Schwarzstorch verbessert worden. Das alles wird sich erst langfristig auswirken. Aber es wird durchgeführt und finanziert.

Ökologische Effekte

Gab es Widerstand gegen Windkraft im Wald?

Ja. Für die in Anspruch genommenen Waldflächen – da gibt es auch Gegner. Nicht unter den Waldeigentümern, sondern von irgendwelchen Leuten, die mit den Wäldern gar nichts zu tun haben, die auch gar keine Sachkenntnisse haben.
In Brandenburg gibt es die Festlegung, dass nur Wirtschaftswald für Windparks verwendet werden darf und nicht ökologisch wertvolle Wälder und schon gar keine Wälder, die einen hohen Erholungswert haben. Das sind einfache Kiefernbestände hier bei uns, und die Ersatzmaßnahmen werden im Verhältnis 1:2 durchgeführt. Dabei werden wertvollere Bäume gepflanzt, Eichen zum Beispiel, so dass am Ende ein wertvollerer Waldbestand da sein wird. Und das ist als positiver, langfristig wirkender ökologischer Effekt zu sehen.

Das Gespräch führte Andrea Marshall, RECOMM