St. Michaelisdonn und die Erneuerbaren

(…) Der ehrenamtliche Bürgermeister und seine Bürger haben sich viel vorgenommen. Bis zum Jahr 2038 soll die komplette Energieversorgung, also auch die Wärme- und Kraftstoffversorgung auf regenerative Energien umgestellt sein. Im Wärmebereich soll langfristig die Abwärme der schon bestehenden Biogasanlage und weiterer geplanter Biogasanlagen über ein Nahwärmenetz kostengünstig zum Bürger gebracht werden. Im Bereich der Kraftstoffe setzt die Gemeinde zukünftig auf Elektrofahrzeuge. „Die Elektroautos mit ihren Batterien können besonders nachts, wenn der Wind weht und der Verbrauch sehr niedrig ist, den überschüssigen Windstrom speichern. Tagsüber wird der gespeicherte Windstrom dann für den Antrieb in den Elektroautos genutzt”, schwärmt Nielsen. Er macht aber auch deutlich, dass es im Moment noch keine bezahlbaren Elektrofahrzeuge auf dem Markt gibt. Doch das wird sich hoffentlich bald ändern.
Vom Ausbau der Erneuerbaren Energien erhofft sich Bürgermeister Nielsen einen wirtschaftlichen Aufschwung für die Region. „Wir wollen mit den Erneuerbaren Energien einen geschlossen Kreislauf bilden und so die Wertschöpfung in der Region erhöhen. Von der Produktion, über den Handel bis zum Endverbrauch soll alles in den Händen der Bürger hier vor Ort liegen. Dafür eignen sich die Erneuerbaren Energien optimal”, so Nielsen. Denn rosig sieht es im Ort nicht aus: Die Arbeitslosenquote liegt bei zehn Prozent, die Kaufkraft bei 81 Prozent des Bundesdurchschnitts. „Momentan sind die Erneuerbaren Energien hier auf dem platten Land die einzige Möglichkeit sich als Gemeinde wirtschaftlich zu betätigen und finanzielle Spielräume zu erarbeiten”, betont Nielsen.

Gründung Gemeindewerk St. Michel und Rückkauf des Stromnetzes

Besonders wichtig ist den Schleswig-Holsteinern in Zukunft als lokaler Selbsterzeuger auch den Vertrieb des Stroms wieder in die kommunale Hand zu nehmen. Als ersten Schritt hat die Kommune daher per Gemeinderatsbeschluss das „Gemeindewerk St. Michel“ im Jahr 2009 gegründet. Das Gemeindewerk übernimmt die Rolle des zentralen Organisators vor Ort und koordiniert die Bereitstellung der Anlagentechnik sowie die Erzeugung, Speicherung und Lagerung, den Vertrieb, Handel und Transport der Energie aus regenerativen Energiequellen. Auch sollen in Zukunft andere Kommunen beraten werden. „Wir wollen unsere Erfahrungen weitergeben und andere Gemeinden beraten. Wir haben schon mehrere Anfragen von anderen Gemeinden und empfangen regelmäßig Delegationen aus ganz Deutschland bei uns”, sagt Nielsen.
Der nächste Schritt zu einer eigenständigen Stromversorgung und -verteilung ist die Übernahme des Stromnetzes. Dazu beabsichtigt die Gemeinde im Jahr 2011 das Stromnetz vom Netzbetreiber E.on Hanse zurückzukaufen. Über den Kaufpreis konnte der Bürgermeister noch keine Auskunft geben. Mit dem Rückkauf des Netzes soll den Bürgern langfristig ein faires und stabiles Preisniveau angeboten und eine nachhaltige Versorgung mit Energie aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen sichergestellt werden. „Die großen Netzbetreiber sind als Aktiengesellschaft ihren Aktionären verpflichtet. Das bedeutet, dass über den jetzigen Netzbetrieb sehr viel Kaufkraft aus der Region fließt. Bei dem kommunalen Gemeindewerk bleiben die Gewinne zu 100 Prozent in der Region”, erklärt Nielsen. Von den Gewinnen des Gemeindewerks sollen Kindergartenplätze, die Straßenbeleuchtung und andere kommunale Ausgaben finanziert werden. Doch der Bürgermeister betont, dass er keine Feindbilder aufbauen möchte: „Es gibt in dieser Frage kein Gut oder Böse. In einer Aktiengesellschaft sind die Bedürfnisse anders. Die Gewinne kommen den Aktionären zu Gute, in einem kommunalen Unternehmen den Bürgern.”

„Wir wollen mit den Erneuerbaren Energien einen geschlossen Kreislauf bilden und so die Wertschöpfung in der Region erhöhen. Von der Produktion, über den Handel bis zum Endverbrauch soll alles in den Händen der Bürger hier vor Ort liegen. Dafür eignen sich die Erneuerbaren Energien optimal”.

CDU-Bürgermeister Volker Nielsen, Gemeinde Sankt Michaelisdonn in Dithmarschen
Quelle: www.kommunal-erneuerbar.de/de/energie-kommunen/2010/april.html