Ziel: Langfristige Existenzsicherung

Die Realisierung von Windparks könnte sich als ein gewichtiges, zusätzliches Standbein für kleinbäuerliche Betriebe entwickeln. Durch Standortpachten besteht die Chance, Höfe und deren traditionelle Bewirtschaftung bis in die nachfolgende Generation konkurrenzfähig zu erhalten.
Windenergieanlagen stören die landwirtschaftliche Nutzung nur unwesentlich bis gar nicht. Die bestehenden landwirtschaftlichen Betriebe können ihre Bewirtschaftung wie gewohnt fortsetzen. Dadurch werden Arbeitsplätze erhalten, die regionale Kaufkraft wird gestärkt, die traditionelle Bewirtschaftung fortgesetzt und der gewohnte Charakter der Landschaft erhalten.
Und: Windenergieanlagen sind jederzeit rückbaubar, die Landschaft nimmt auch langfristig keinen Schaden – ganz im Gegensatz zum Braunkohleabbau oder zum Bau von Atomkraftwerken.

Hintergrund

Die landwirtschaftlichen Flächen in und um Ohe gehören in der Regel Kleinbauern (unter 100 Hektar Nutzfläche) und werden von ihnen bewirtschaftet.
Im Zuge der steigenden Energie- und Rohstoffpreise und den durch Großkonzerne diktierten Markt mit Niedrigpreisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse (wie z.B. Milch und Fleisch), steigt die finanzielle Belastung der Kleinbauern stetig. Oftmals stehen die Produktionskosten nicht mehr im positiven Verhältnis zum Gewinn der bäuerlichen Betriebe.

Einnahmen durch Windenergieanlagen

Da die meisten Bauern rund um Ohe keine Großgrundbesitzer sind, ist es nachvollziehbar, dass sie nach Möglichkeiten suchen, ihre Höfe auf eine breitere finanzielle Basis zu stellen. Ziel muss eine langfristige Existenzsicherung der in der Regel im Familienbetrieb bewirtschafteten Höfe sein.

Großkonzerne und Investoren

Wenn Kleinbauern daran gehindert werden, sich zusätzliche Einkommensmöglichkeiten wie die Bereitstellung ihrer Landwirtschaftsflächen für die Windenergieproduktion zu erschließen, könnte es sie langfristig in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Um die Einnahmen zu erhöhen, müssten die Landwirte unter Umständen auf den Anbau von Energiepflanzen umstellen, zusätzliche Nutzflächen ankaufen oder die im Besitz befindlichen Ländereien veräußern. Ein Zukauf ist in Ermangelung von Eigenkapital sowie der hohen Bodenpreise unrealistisch. Wenn Bauern zukünftig ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können, muss letztendlich Land verkauft werden. Erfahrungsgemäß resultiert daraus eine gravierende Änderung in der Bewirtschaftung und des Landschaftscharakters.
Denn: Außerlandwirtschaftliche Investoren suchen ein „sicheres Investitionsobjekt“ und erwerben seit Jahren Land bzw. Wald zu Höchstpreisen. Außer einer hohen Dividende besteht kein Interesse an den Flächen. Die Anschaffungskosten und die Dividende muss aus der Pacht finanziert werden. Die Folge daraus ist oft, dass auf den ehemals kleinbäuerlich bewirtschafteten Flächen ausschließlich Mais angebaut wird – auch über mehrere Jahre hinweg – da konventionell/ökologisch wirtschaftende Betriebe die hohen Pachten nicht stemmen können. Für die Investoren ist es oft irrelevant bzw. nicht von Interesse, dass die gute fachliche Praxis, wie Fruchtfolge und Brachfeldnutzung, nicht mehr angewendet wird, da in erster Linie die Rendite zählt.

Großflächige Monokultur

Was bedeutet das für die kleinbäuerlich, vor allem als Grün- und Weideland genutzten Flächen im Sinne der Anwohner und Windkraftgegner? Die zum Teil extensiv genutzten Flächen könnten in Folge dieser Entwicklung über viele Jahre ausschließlich mit Energiepflanzen wie dem Maisanbau („Vermaisung“ der Landschaft) bewirtschaftet werden. Dies kann mit Blick auf eine gewachsene Kulturlandschaft nicht im Interesse der Bewohner sein.

Thomas Rumpel, Dipl. Geoökologe, Planungsbüro Petrick